In language processing the use of computers is not aimed toward less human effort, or for doing things faster and with less labor, but for more human work, more mental effort; we must strive to know more systematically, deeper, and better, what is in our mouth at every moment, the mysterious world of our words.
Seit den frühen 1990er Jahren hat sich an die literaturtheoretische Rekonzeption des modernen literarischen Textes als „geometrischer Ort eines hors-texte“, „Kreuzungspunkt von Schichten, die Myriaden von Horizonten entspringen“ (A. Topia) eine lebhafte medientheoretische Diskussion über die neuen Perspektiven, Zugänge und Nutzungsweisen angeschlossen, die das neue Medium des elektronischen Hypertextes im Hinblick auf die besonders markanten Beispiele dieser Transtextualität der modernen Print-Literatur eröffnen würde.
In der Praxis allerdings beschränkt sich – entgegen manchen medienrevolutionären Szenarien der 90er Jahre – die „Remediatisierung“ i.w.S. literarischer Hand- und Druckschriften im elektronischen „Schreibraum“ des Hypertextes (J. Bolter) weitgehend auf die Optimierung biblionomer und archivalischer Strukturen und Funktionen der ‚Gutenberg-Galaxis’. Demgegenüber bleiben Versuche marginal, die komplexen Verweisstrukturen literarischer Print-Texte, also den durch sie erzeugten ‚autonomen’ ästhetischen Raum selbst, durch Hypertext zu ‚remediatisieren’. Hierfür lassen sich zunächst zwei hauptsächliche Ursachenkomplexe benennen:
1) Die für die Digitalisierung literarischer Texte ‚zuständige’ Disziplin, die Computerphilologie, definiert sich programmatisch über die Befassung mit „traditionellen philologischen Gegenständen“:
2) Das Phänomen der Transtextualität überschreitet den „traditionellen“, editionistisch bestimmten Textbegriff und seine tragende Unterscheidung von Textkörper und Textbedeutung. Wie die Forscher des Bachtin-Kreises gezeigt haben, lässt sich die Spezifik insbesondere literarischer Texte im Horizont des abstrakten Systems sprachlicher Formen nicht adäquat erfassen; nicht die – wie auch immer differenzierte und modalisierte – Bedeutung des Textes, sondern sein ereignishaftes Eintreten in den „Rede-Verkehr“ bestimmt seinen ontologischen Status als ästhetisches Objekt. Erst durch die – transhermeneutische – Öffnung des literarischen Textes auf ein konkretes historisches Feld vorgängiger und gleichzeitiger Äußerungen wird die Komplexitätsschwelle überschritten, an der der Computer entweder als pathetische Metapher der Unzugänglichkeit/Unzulänglichkeit (bei J. Derrida), oder als praktisches Werkzeug zu Optimierung von Wissen (bei R. Busa) erscheint. In der Tat weist die Herausforderung der Digitalisierung von Transtextualität in zwei Richtungen: zum einen auf einen im Vergleich zu „traditionellen“ computerphilologischen Aufgaben deutlich erhöhten Komplexitätsgrad im Hinblick auf Verdatung und Display; zum anderen – und vor dem Hintergrund des Komplexitätsgefälles zwischen ‚Joyce’ und ‚IBM’ – auf die Notwendigkeit einer diskurs-, medien- und kulturtheoretisch informierten Neukonzeption von Transtextualität in der Periode der Heraufkunft elektronischer Medien.
Vor diesem Hintergrund haben wir im vergangenen Jahr erste Grundrisse eines kollaborativen Forschungsprojekts skizziert. Kafkabureau.net nähert sich der erörterten Herausforderung am Beispiel desjenigen deutschsprachigen Autors, dessen Schreibverfahren die transtextuelle Partizipation am und Intervention in den intermedialen „Redeverkehr“ seiner Zeit und aller Zeitalter wie kein anderes zum Gegenstand und Einsatz seiner selbst werden lässt. Ausführliche Entfaltungen der oben skizzierten Problematik finden sich dort unter den Adressen:
http://www.kafkabureau.net/dasprojekt-virtuellemediathek.html
und
http://www.kafkabureau.net/dasprojekt-kafkahypertext1.html
Der geplante workshop zielt darauf ab, eine Reihe grundsätzlicher und spezieller Probleme des umrissenen Vorhabens zu erörtern. Eine (vorläufige und offene) Themenliste umfasst etwa folgende Einträge:
Gebäude: Theologie & Philosophie (PT)
(Lageplan: www.uni-regensburg.de/Einrichtungen/Rechenzentrum/Orientierung/uni.html)
Freitag, 30.11.2007
14:45
Begrüßung (Bernhard Dotzler, Regensburg)
Dimensionen von Transtextualität
15:00
Benno Wagner (Siegen)
Transtextualität als Hypertext. Eine einführende Problemskizze
16:00
Timothy Attanucci (Princeton)
Beruf als Chiffre
17:00
Andreas Kilcher/Eva Edelmann (Tübingen)
Die Sprache des Zionismus und ihre Verhandlung bei Franz Kafka
18:00
Jochen Venus (Siegen)
Überlegungen zu einer transbiblionomen Poetik und Philologie am Beispiel von Franz Kafka und Arno Schmidt
20:00
Abendessen
Samstag, 1.12.2007
Transtextualität im Hypertext
9:30
Friedrich Geisselmann (Regensburg)
Multimedialität in den Planungen für eine ‚Deutsche Digitale Bibliothek’
10:30
Timo Reinhard/Michael Heilemann (Siegen/Regensburg)
Das virtuelle Kafka-Bureau. Von der Datenbank zum Hypertext
11:30
Alexander Mehler (Bielefeld)
Möglichkeiten und Grenzen der automatischen Explikation
intertextueller Relationen: ein computerlinguistisches Modell
12:30
Christian Wolff (Regensburg)
Standards und Technologien für den Aufbau transtextueller Medienräume
13:30
Mittagessen
14:30 Planungssitzung der Projektgruppe kafkabureau
Organisation:
Bernhard Dotzler, Benno Wagner, Christian Wolff
Kontakt:
Prof. Dr. Bernhard Dotzler
Universität Regensburg
Lehrstuhl für Medienwissenschaft
Institut für Medien-, Informations- und
Kulturwissenschaft (IMIK)
D - 93040 Regensburg
Tel.: 0941/943-3455